Immobilien-ABC

Kreditwürdigkeit

Wer einen Immobilienkredit beantragt, wird von der Bank auf Herz und Nieren geprüft.

Kreditwürdigkeit beschreibt, ob eine Person in der Lage und willens ist, einen aufgenommenen Kredit vollständig und fristgerecht zurückzuzahlen. Bevor eine Bank eine Immobilienfinanzierung bewilligt, analysiert sie systematisch die wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragstellers – von der Einkommenssituation bis zum bisherigen Zahlungsverhalten. Das Ergebnis dieser Prüfung entscheidet nicht nur darüber, ob ein Kredit gewährt wird, sondern auch zu welchen Konditionen.

Was Banken bei der Prüfung in den Blick nehmen

Im Mittelpunkt steht zunächst das verfügbare Einkommen: Wie hoch ist es, wie regelmäßig fließt es, und wie sicher ist die berufliche Situation? Beamte und langjährig Festangestellte werden hier in der Regel anders bewertet als Selbstständige oder Berufseinsteiger. Hinzu kommen bestehende Verbindlichkeiten – laufende Ratenkredite, Leasingverträge oder ein dauerhaft genutzter Dispokredit mindern den Spielraum. Vorhandenes Eigenkapital sowie Sparrücklagen oder Wertpapiere wirken sich positiv aus.

Eine Haushaltsrechnung fasst all das zusammen: Auf der einen Seite stehen alle regelmäßigen Einnahmen, auf der anderen alle fixen und variablen Ausgaben. Was übrig bleibt, muss die monatliche Kreditrate langfristig abdecken können – und sollte dabei noch einen Puffer lassen. Für ein Einfamilienhaus im Landkreis Osterholz, das typischerweise Kaufpreise zwischen 350.000 und 450.000 Euro erreicht, ergibt das bei einer Finanzierung von 300.000 Euro eine monatliche Belastung, die viele Haushalte an ihre Grenzen führt, wenn Eigenkapital und Einkommen nicht solide aufgestellt sind.

Ergänzend holen Banken eine Schufa-Auskunft ein. Sie zeigt, welche Kredite bisher aufgenommen wurden, ob Raten pünktlich bedient wurden und ob es Einträge aus Mahnverfahren oder Inkassoforderungen gibt.

Bonitätsklassen und was sie bedeuten

Die gesammelten Informationen fließen in sogenannte Scoring-Verfahren ein, bei denen unterschiedliche Merkmale gewichtet und zu einem Gesamtwert zusammengeführt werden. Dieser Wert ordnet den Antragsteller einer Bonitätsklasse zu – und die hat unmittelbaren Einfluss auf den angebotenen Zinssatz. Wer in der besten Klasse liegt, erhält günstigere Konditionen als jemand mit mittlerer Bewertung. Der Unterschied von einem halben Prozentpunkt beim Zinssatz kann über eine Laufzeit von 20 Jahren einen fünfstelligen Betrag ausmachen.

Negative Einträge – etwa aus einer früheren Privatinsolvenz oder einem geplatzten Kredit – führen häufig zur Ablehnung des Antrags oder zu deutlich schlechteren Konditionen. Nicht jede Bank legt dabei dieselben Maßstäbe an; es lohnt sich, mehrere Angebote einzuholen.

Kreditwürdigkeit gezielt verbessern

Wer plant, in absehbarer Zeit eine Immobilie zu finanzieren, kann seine Ausgangslage schon im Vorfeld verbessern. Dazu gehören:

  • Bestehende Kleinkredite tilgen – weniger laufende Verbindlichkeiten verbessern die Haushaltsrechnung spürbar.
  • Dispokredit zurückführen – ein dauerhaft genutzter Dispo fällt Banken negativ auf, auch wenn keine Rückstände bestehen.
  • Eigenkapital aufbauen – wer mindestens 20 Prozent des Kaufpreises sowie die Nebenkosten aus eigenen Mitteln bestreiten kann, stärkt seine Verhandlungsposition.
  • Schufa-Auskunft selbst einholen – einmal jährlich kostenlos möglich; fehlerhafte Einträge können auf Antrag berichtigt werden.
  • Stabile Beschäftigung nachweisen – wer kurz vor einer Finanzierungsanfrage den Arbeitgeber wechselt oder sich selbstständig gemacht hat, sollte das zeitlich mit Bedacht planen.

Beispielrechnung: Wie sich die Bonität auf die Zinslast auswirkt

Angenommen, ein Käuferpaar möchte ein Haus in Grasberg erwerben und benötigt ein Darlehen über 280.000 Euro bei 20 Jahren Laufzeit und 2 % anfänglicher Tilgung.

  • Sehr gute Bonität, Zinssatz 3,6 %: monatliche Rate rund 1.307 Euro, Zinszahlung über die Zinsbindung (10 Jahre) rund 93.000 Euro
  • Mittlere Bonität, Zinssatz 4,2 %: monatliche Rate rund 1.447 Euro, Zinszahlung über 10 Jahre rund 109.000 Euro

Der Unterschied von 0,6 Prozentpunkten ergibt hier eine Mehrzahlung von rund 16.000 Euro allein in der ersten Zinsbindungsperiode – Geld, das bei guter Vorbereitung in der Tilgung oder einer Sonderzahlung besser aufgehoben wäre. Die Zahlen sind vereinfacht und dienen der Veranschaulichung; tatsächliche Angebote variieren je nach Bank, Objekt und persönlicher Situation.

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