Xylol – chemisch auch als Dimethylbenzol bekannt – gehört zur Gruppe der aromatischen Kohlenwasserstoffe und wird seit Jahrzehnten als Lösungsmittel in Farben, Lacken, Klebstoffen und Reinigungsmitteln eingesetzt. Die farblose, leicht flüchtige Flüssigkeit ist für Bauherren, Käufer älterer Immobilien und alle, die sanieren, aus zwei Gründen relevant: Sie kann die Raumluft belasten, und sie tritt bei Altbausubstanz bis in die 1980er-Jahre regelmäßig als Schadstoff in Erscheinung.
Eigenschaften und typische Verwendung
Xylol besitzt einen charakteristischen süßlichen Geruch, siedet zwischen etwa 138 und 144 °C und ist in Wasser so gut wie unlöslich. Es löst Fette, Harze und Öle sehr effektiv und lässt sich gut mit anderen organischen Lösungsmitteln mischen – Eigenschaften, die es als Verdünnungs- und Reinigungsmittel in der Bau- und Renovierungspraxis lange Zeit unersetzlich machten.
Eingesetzt wurde Xylol vor allem in lösungsmittelhaltigen Alkydharzlacken und Ölfarben, bei der Pinsel- und Werkzeugreinigung, in Klebstoffen für Bodenbeläge und Fliesen sowie historisch in Holzschutzmitteln. Letztere sind heute weitgehend verboten oder stark eingeschränkt, tauchen aber in älteren Gebäuden noch auf.
Gesundheitsrisiken
Bereits kurze Expositionen gegenüber Xyloldämpfen können zu Reizungen der Schleimhäute, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit führen. Bei sehr hohen Konzentrationen drohen ernstere Auswirkungen auf das Zentralnervensystem bis hin zur Bewusstlosigkeit. Direkter Hautkontakt entfettet die Haut und kann langfristig zu Reizungen führen.
Bei beruflicher Dauerbelastung sind Schädigungen von Leber und Nieren sowie Beeinträchtigungen des Nervensystems beschrieben. Für Schwangere gilt besondere Vorsicht, da fruchtschädigende Wirkungen diskutiert werden. Der für Arbeitsplätze geltende Grenzwert (AGW) liegt bei 100 ppm beziehungsweise 440 mg pro Kubikmeter Luft bezogen auf eine achtstündige Schicht.
Für Innenräume gelten niedrigere Orientierungswerte: Der Richtwert I des Umweltbundesamts liegt bei 1 mg pro Kubikmeter als Vorsorgewert, der Richtwert II bei 5 mg pro Kubikmeter – wird er überschritten, ist eine Sanierung dringend empfohlen.
Xylol als Altlast in Bestandsgebäuden
Wer eine ältere Immobilie kauft oder saniert, sollte Xylol als mögliche Schadstoffquelle im Blick behalten. Typische Fundstellen sind alte Farbanstriche aus der Zeit vor etwa 1980, Klebstoffe unter PVC- oder Teppichböden sowie behandelte Holzbalken, die unter späteren Anstrichen oder Verkleidungen verborgen liegen können. Xylol kann über viele Jahre aus diesen Materialien ausgasen – oft unbemerkt, weil der Geruch beim Einzug scheinbar verschwunden ist.
Im Landkreis Osterholz und im weiteren Umland von Bremen trifft man diesen Befund häufig in Resthöfen und Einfamilienhäusern der Nachkriegsjahrzehnte an. Gerade bei Gebäuden mit historischer Reetdachsubstanz oder Scheunenausbauten, wie sie rund um Worpswede und Grasberg nicht selten vorkommen, lohnt eine Raumluftmessung durch einen zertifizierten Sachverständigen vor Beginn der Sanierung.
Sanierung und Alternativen
Eine fachgerechte Sanierung beginnt mit einer Raumluftmessung, um Ausgangswerte zu dokumentieren. Die belasteten Schichten werden anschließend mechanisch abgetragen – etwa durch Abschleifen mit angeschlossener Absaugung – oder bei dickeren Schichtaufbauten chemisch abgelaugt. Dabei anfallende Materialien gelten als Sondermüll und müssen entsprechend entsorgt werden. Während der Arbeiten sind Absperrung und intensive Belüftung Pflicht; eine Abschlussmessung bestätigt den Sanierungserfolg.
Wer heute neu streicht oder lackt, kann auf Xylol weitgehend verzichten: Wasserbasierte Lacke und Farben – erkennbar unter anderem am Blauen Engel – sind für die meisten Innenanwendungen geeignet, geruchsärmer und gesundheitlich verträglicher. Für Holzoberflächen bieten sich außerdem lösungsmittelfreie Wachse und Öle an; natürliche Lösungsmittel auf Basis von Orangenschalenextrakt sind biologisch abbaubar und für viele Anwendungen ausreichend, auch wenn sie im Anschaffungspreis höher liegen.
