Eigenkapital umfasst alle finanziellen Mittel, die Sie beim Kauf einer Immobilie aus eigener Tasche einbringen – also ohne Bankkredit. Dazu zählen Guthaben auf Spar- und Tagesgeldkonten, Festgeld, Wertpapiere sowie Bausparguthaben. Je größer dieser Anteil am Gesamtinvestitionsvolumen, desto günstiger fallen in der Regel die Kreditkonditionen aus und desto geringer ist das Risiko einer Überschuldung.
Was Banken erwarten
Als Ausgangspunkt gilt eine weitverbreitete Faustregel: Die sogenannten Erwerbsnebenkosten sollten vollständig aus Eigenmitteln gedeckt sein. Im Raum Bremen und im Landkreis Osterholz gehören dazu insbesondere die Grunderwerbsteuer – in Niedersachsen derzeit 5,0 %, in Bremen seit dem 1. Juli 2025 erhöht auf 5,5 % –, die Notar- und Grundbuchkosten sowie eine etwaige Maklerprovision, die seit Dezember 2020 zwischen Käufer und Verkäufer geteilt wird. Je nach Kaufpreis summieren sich diese Posten schnell auf zehn bis fünfzehn Prozent des Kaufpreises.
Über die reinen Nebenkosten hinaus erwarten Kreditinstitute üblicherweise weitere Eigenmittel, häufig zwischen zehn und zwanzig Prozent des Kaufpreises. Je höher Ihr Eigenkapitalanteil, desto geringer das Ausfallrisiko für die Bank – und desto besser die Zinsen, die Sie verhandeln können. Vollfinanzierungen, bei denen der Kredit Kaufpreis und Nebenkosten nahezu vollständig abdeckt, sind zwar möglich, aber mit spürbaren Zinsaufschlägen verbunden und setzen eine sehr gute und stabile Einkommenssituation voraus.
Was als Eigenkapital gilt
Zum klassischen Eigenkapital zählen schnell verfügbare Mittel wie Bankguthaben und kurzfristig liquidierbare Wertpapiere. Bausparguthaben können in der Regel direkt eingesetzt werden, Lebensversicherungen lassen sich je nach Vertrag beleihen oder auflösen. Schenkungen und Erbschaften stärken ebenfalls die Eigenkapitalbasis – sollten aber schriftlich dokumentiert und idealerweise bereits vor der Kreditverhandlung auf Ihrem Konto eingegangen sein.
Eigenleistungen am Bau – häufig als „Muskelhypothek" bezeichnet – werden von manchen Banken anerkannt, allerdings nur in realistischem Umfang. Wer seine eigene Arbeitskraft überschätzt, riskiert eine Finanzierungslücke. Familiendarlehen akzeptieren Kreditgeber nur eingeschränkt als Eigenkapital, da sie im Zweifelsfall zurückgefordert werden können. Klare, schriftliche Vereinbarungen schützen alle Beteiligten.
Eigenkapitalquote und Sicherheit
Die Eigenkapitalquote beschreibt das Verhältnis von Eigenmitteln zum Gesamtinvestitionsvolumen. Bei einer Quote von zwanzig Prozent finanzieren Sie ein Fünftel aus eigener Tasche, den Rest über Fremdkapital. Eine höhere Quote bedeutet weniger Zinskosten über die Laufzeit, schnellere Entschuldung und einen Puffer für den Fall, dass der Immobilienwert sinkt. Fällt der Marktwert unter die noch offene Restschuld, entsteht eine Unterdeckung – ein Risiko, das im Teufelsmoor und den Marschlagen rund um Grasberg und Worpswede besondere Relevanz hat: Dort können unerwartete Baukosten durch Moorböden, hohe Grundwasserstände oder aufwendige Gründungsmaßnahmen den tatsächlichen Investitionsbetrag deutlich über den ursprünglichen Kaufpreis treiben. Wer auf solchem Baugrund kauft oder baut, sollte die Eigenkapitalquote entsprechend großzügiger kalkulieren.
Eigenkapital gezielt aufbauen
Eigenkapital entsteht nicht über Nacht – es erfordert Planung und Konsequenz. Regelmäßiges Sparen, das Anlegen von Bonus- oder Sonderzahlungen sowie systematische Vermögensbildung über Bausparverträge oder Fondssparpläne sind bewährte Wege. Wer frühzeitig damit beginnt, verschafft sich beim späteren Kauf deutlich mehr Spielraum. Wer feststellt, dass die Eigenmittel noch nicht ausreichen, tut oft gut daran, den Kaufzeitpunkt zu verschieben und weiter zu sparen – statt auf eine teure Vollfinanzierung zurückzugreifen.
